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Zillo Interview, Ausgabe 05/01, S.62,
ungekürzte Version

1) Bitte erzähl kurz etwas zur Projekthistory!

Das Projektkonzept entstand eigentlich schon während meiner Schulzeit zusammen mit meinem damaligen Mithäftling Fasko, nur fehlten uns damals einfach die finanziellen Mittel, um das tun zu können was uns vorschwebte. Wir hatten nur sehr primitives Equipment, ich besaß eine Roland W30-Workstation, eine E-Gitarre und eine uralte 4-Spur-Bandmaschine, Fasko schon einen Ensoniq ASR-10. Es gibt ein paar sehr nette Aufnahmen aus dieser Zeit :). Wir haben damals sehr viel Ministry, Nine Inch Nails, Flugschädel und Krupps gehört, aber auch viel Punk und Oi!, also sehr gitarrenlastiges Zeug. Aber uns hat dann sehr bald diese Grunge-Matschmusik angekotzt, bis wir Gitarren überhaupt nicht mehr hören konnten. Irgendwann hatte ich dann genug Geld um mir die Geräte kaufen zu können, die das machen konnten was ich wollte, und dann ginge es eigentlich schnell voran. Ein Großteil von WE SCORE ist allerdings erst während der letzten anderthalb Jahre entstanden.

2) "We Score" erinnert mich teilweise sehr stark an FLA. Sind FLA eine deiner Vorbilder? Was hältst Du von dem Vergleich?

Frontline sind in der Tat eines meiner größten Vorbilder, besonders das Album Caustic Grip, was für mich persönlich an Filigranität und elektronischer Kälte unübertroffen ist. Außerdem ist das noch richtiger Punk und nicht so ein Ich-bin-ja-so-süüüß-Ibiza-Electro!(www.weiberelectro.de). Aber auch die neueren Alben haben mich tief beeindruckt, besonders HARD WIRED und IMPLODE, die zwar an Statik und Kälte meines erachtens eingebüßt haben, dafür aber an Komplexität und Dynamik alles Vergangene in den Schatten stellen. Ich habe schon oft gehört daß WE SCORE nach Frontline klingt, aber ich kann nichts dafür. Die Songs werden eben so.Einen direkten Vergleich jedoch halte ich schon von daher für problematisch, da Bill Leeb und Rhys Fulber bzw. Bill Leeb und Chris Peterson einen ganz anderen musikalischen Background haben als ich, und die Musik vielleicht aus einer vollkommen anderen Motivation heraus gemacht haben. Außerdem grenzt es schlicht und einfach an Blasphemie, sich mit jemandem wie Front Line Assembly vergleichen zu wollen.

3) Ist "We Score" ein Konzeptalbum oder stehen die einzelnen Songs für sich alleine?

WE SCORE ist eindeutig kein Konzeptalbum, die Songs sind aus ganz unterschiedlichen Gefühlslagen und Motivationen heraus entstanden, behandeln jeweils von den anderen Songs unabhängige Themen. Ein roter Faden zieht sich jedoch durch das gesamte Album: Der Haß auf Ignoranten. Dieses Gefühl kristallisiert sich vorallem in ZERO.

4) Wer oder was ist ein Crackhead für dich?

CRACKHEAD ist aufgrund einer Reportage über Crack-Junkies in den Armenvierteln von NY erntstanden, die ich irgendwann spät nachts gesehen habe. Der Crack-Süchtige ist in der Junkie-Hierarchie das Letzte vom Letzten, das Zeug macht ihn sofort abhängig, zerstört sein Gehirn sehr schnell und ist im Vergleich zu Heroin relativ billig. Sein Leben ist eine einzige Flucht, ein einziger Fäulnisprozeß. Die Droge zwängt ihn in die Haut einer Ratte, eines Kotfressers. In dieser Haut läuft er herum auf der Suche nach immer mehr Crack, von Parasiten und Krankheiten fast aufgefressen krepiert er dann irgendwann in seiner eigenen Kotze. Das ist eine von vielen Extremformen menschlicher Existenz.

5) Was sollte man tun, um Spaß im Leben zu haben?

Man sollte seine Genitalien zu benutzen wissen...ha! Außerdem sollte man sich von keinem Menschen dieser Welt sagen lassen was man zu denken, zu sagen und wie man auszusehen hat. Umgekehrt sollte man offen sein gegenüber allem, was man noch nicht kennt. Man sollte eine starke Kontrolle über sich selbst haben, damit man möglichst schnell das erreicht, was man will. Dann hat man Spaß.

6) In Deinen Songs kehren, glaube ich zumindestens, die Themen Tod, Sex, Unterwerfung und menschliche Abnormitäten immer wieder, was macht diese Themen für Dich so interessant?

Die meisten Songs sind aus einem starken Aggressionspotential heraus entstanden, aus Wut über die Ignoranz, die mir lange Zeit von allen Seiten entgegenschlug, einschließlich von meiner Ex-Freundin und Teilen meiner Familie, besonders aber durch die Haltung der Leute, die den Großteil der Bevölkerung repräsentieren und mit denen ich wohl oder übel zu tun hatte. Die durch letztere Gruppe diktierte öffenliche Meinung und der daraus eruptierende Schleim mit dem man eingesifft wird, sobald man den Fehler macht, sich z. B. der etablierten Unterhaltungsmedien zu bedienen, erzeugt bei einem gesunden Menschen irgendwann einen solchen Haß auf diejenigen, die bei dieser Kacke mitmachen und sie vergrößern wollen, daß man irgendwo ein Vertil haben mußt, das man im Notfall öffnen kann, da sonst ein Unglück passieren würde. Dises Ventil ist bei mir der Sequenzer. Ein typischer Song für eine solche Gefühlslage ist z.B. THE BITE, der den Entwicklungsprozeß vom gesunden Menschen zum lebenden Toten beschreibt, wie ich ihn an ehemaligen Freunden und Bekannten erleben mußte. Diese Individuen, die nur noch vor daheim der Glotze hängen, für die Kreativität ein Fremdwort ist, die sich jedes Wochenende auf irgendwelchen Dorfdiscos die Hucke vollsaufen und dann noch mit ihrer Scheißmeinung Standards setzen haben das Leben eigentlich schon beendet.Das sind menschliche Abnormitäten, und auseinandersetzen muß ich mich mit ihnen deshalb, weil sie mir tagtäglich begegnen. Mehr zu diesem Thema gibts aber auch in Romeros "Zombie".Natürlich gab es beim Arrangement der Songs auch rein klangliche Aspekte. Das schwere Atmen einer Frau beim Sex hat für mich etwas fremdartig fragiles. Außerdem ist das klangliche Zur-Schau-Stellen hemmungsloser Gier in seiner rohesten Form eine weitere Art der musikalischen Verwandlung extremer, exzessiver Gefühlszustände, so daß man es fast schon als exhibitionistisch bezeichnen könnte.

7) Welche Vorstellung hast du vom Tod?

Ich habe während meines Studiums, das bisher größtenteils naturwissenschaftlicher Art war, es mehr und mehr abgelegt, mich an Glaubensweisheiten zu klammern. Für mich bedeutet deshalb der klinische Tod das Absterben des Körpers und das Ende der Geschichte des betreffenden Individuums.

8) Welche Story erzählt "!Splat!"?

!SPLAT! ist die Vertonung eines x-beliebigen Ego-Shooter-Computerspiels und der beim Spielen entstehenden Gier nach dem virtuellen Massaker. Diese Art extremer Unterhaltung ist in den letzten Jahren mehr und mehr zur Gratwanderung zwischen Perversion und Spaß geworden, in diesem Spannungsfeld bewegt sich auch der Song. Er beleuchtet aber auch jene Idioten und Kinder, die mit dieser Unterhaltungsform nicht umgehen können und die deshalb nach deren Konsum Scheiße bauen.

9) Für welche Werte steht Plastic Assault?

PLASTIC ASSAULT steht für Widerstand gegen Dummheit und Ignoranz.

10) Über welche gesellschaftlichen Mißstände ärgerst Du Dich, und wie könnte man sie Deiner Meinung nach lösen?

Gesellschaftliche Mißstände gibts hier einige, das hier zu diskutieren würde wohl den Rahmen dieses Interviews sprengen. Am meisten kotzt mich jedoch unsere Justiz an. Ich mußte am eigenen Leib spüren was es heißt, bestraft zu werden dafür daß man einem Mann hilft, der von 5 anderen Jugendlichen zusammengeschlagen wurde. Niemand braucht sich mehr wundern, wenn auf Hilfeschreie keiner mehr reagiert. Unsere Richter, die es wagen "Im Namen des Volkes" zu urteilen, sollten das Volk mal fragen was es von so manchen Urteilen hält. Fast alle politischen Entscheidungsträger, die auf die Verfassung vereidigt werden und schwören, nur im Interesse des Volkes zu handeln, sollte man direkt danach wegen Meineid verknasten. Aber ich brech das jetzt lieber ab, sonst wird das hier zu politisch.

11) Welche Eigenschaften schätzt Du an anderen Menschen?

Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, dreckiger Humor, Kreativität, klarer Verstand

12) Wem ist der Song "Das Letzte Stück Dreck" gewidmet? Wann hast Du dich das letzte mal wie das letzte Stück Dreck gefühlt?

Der Song ist einem Mann gewidmet, der einmal meine weitere Lebensplanung hätte kippen können und der mich auch eiskalt abserviert hätte, hätte ich ihm Gelegenheit dazu gegeben. Dieser Mann hat sich einen Spaß aus dem psychischen Druck gemacht unter dem ein jeder Unglückselige stand, der von ihm Informationen brauchte. Mittlerweile steht er jedoch sinnbildlich für alle die überheblichen Penner, mit denen ich klarkommen muß, um das zu erreichen was ich will. Ich hasse ihre Sorte. Wenn man nicht aufpaßt, wird man ruck-zuck zum Taxi Driver.

13) Welche privaten Ziele/Träume möchtest Du 2001 erreichen bzw. Dir erfüllen?

Mindestens 100 neue Songs schreiben, das "Studio" ausbauen, die Kooperation mit Fasko möglich machen, eine gute Live-Show aufziehen und natürlich CDs verkaufen.

 

Markus Fürgut

 

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