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1) Bitte erzähl kurz etwas zur Projekthistory!
Das Projektkonzept entstand eigentlich schon während
meiner Schulzeit zusammen mit meinem damaligen Mithäftling
Fasko, nur fehlten uns damals einfach die finanziellen Mittel,
um das tun zu können was uns vorschwebte. Wir hatten
nur sehr primitives Equipment, ich besaß eine Roland
W30-Workstation, eine E-Gitarre und eine uralte 4-Spur-Bandmaschine,
Fasko schon einen Ensoniq ASR-10. Es gibt ein paar sehr nette
Aufnahmen aus dieser Zeit :). Wir haben damals sehr viel Ministry,
Nine Inch Nails, Flugschädel und Krupps gehört,
aber auch viel Punk und Oi!, also sehr gitarrenlastiges Zeug.
Aber uns hat dann sehr bald diese Grunge-Matschmusik angekotzt,
bis wir Gitarren überhaupt nicht mehr hören konnten.
Irgendwann hatte ich dann genug Geld um mir die Geräte
kaufen zu können, die das machen konnten was ich wollte,
und dann ginge es eigentlich schnell voran. Ein Großteil
von WE SCORE ist allerdings erst während der letzten
anderthalb Jahre entstanden.
2) "We Score" erinnert mich teilweise sehr stark
an FLA. Sind FLA eine deiner Vorbilder? Was hältst Du
von dem Vergleich?
Frontline sind in der Tat eines meiner größten
Vorbilder, besonders das Album Caustic Grip, was für
mich persönlich an Filigranität und elektronischer
Kälte unübertroffen ist. Außerdem ist das
noch richtiger Punk und nicht so ein Ich-bin-ja-so-süüüß-Ibiza-Electro!(www.weiberelectro.de).
Aber auch die neueren Alben haben mich tief beeindruckt, besonders
HARD WIRED und IMPLODE, die zwar an Statik und Kälte
meines erachtens eingebüßt haben, dafür aber
an Komplexität und Dynamik alles Vergangene in den Schatten
stellen. Ich habe schon oft gehört daß WE SCORE
nach Frontline klingt, aber ich kann nichts dafür. Die
Songs werden eben so.Einen direkten Vergleich jedoch halte
ich schon von daher für problematisch, da Bill Leeb und
Rhys Fulber bzw. Bill Leeb und Chris Peterson einen ganz anderen
musikalischen Background haben als ich, und die Musik vielleicht
aus einer vollkommen anderen Motivation heraus gemacht haben.
Außerdem grenzt es schlicht und einfach an Blasphemie,
sich mit jemandem wie Front Line Assembly vergleichen zu wollen.
3) Ist "We Score" ein Konzeptalbum oder stehen
die einzelnen Songs für sich alleine?
WE SCORE ist eindeutig kein Konzeptalbum, die Songs sind
aus ganz unterschiedlichen Gefühlslagen und Motivationen
heraus entstanden, behandeln jeweils von den anderen Songs
unabhängige Themen. Ein roter Faden zieht sich jedoch
durch das gesamte Album: Der Haß auf Ignoranten. Dieses
Gefühl kristallisiert sich vorallem in ZERO.
4) Wer oder was ist ein Crackhead für dich?
CRACKHEAD ist aufgrund einer Reportage über Crack-Junkies
in den Armenvierteln von NY erntstanden, die ich irgendwann
spät nachts gesehen habe. Der Crack-Süchtige ist
in der Junkie-Hierarchie das Letzte vom Letzten, das Zeug
macht ihn sofort abhängig, zerstört sein Gehirn
sehr schnell und ist im Vergleich zu Heroin relativ billig.
Sein Leben ist eine einzige Flucht, ein einziger Fäulnisprozeß.
Die Droge zwängt ihn in die Haut einer Ratte, eines Kotfressers.
In dieser Haut läuft er herum auf der Suche nach immer
mehr Crack, von Parasiten und Krankheiten fast aufgefressen
krepiert er dann irgendwann in seiner eigenen Kotze. Das ist
eine von vielen Extremformen menschlicher Existenz.
5) Was sollte man tun, um Spaß im Leben zu haben?
Man sollte seine Genitalien zu benutzen wissen...ha! Außerdem
sollte man sich von keinem Menschen dieser Welt sagen lassen
was man zu denken, zu sagen und wie man auszusehen hat. Umgekehrt
sollte man offen sein gegenüber allem, was man noch nicht
kennt. Man sollte eine starke Kontrolle über sich selbst
haben, damit man möglichst schnell das erreicht, was
man will. Dann hat man Spaß.
6) In Deinen Songs kehren, glaube ich zumindestens, die Themen
Tod, Sex, Unterwerfung und menschliche Abnormitäten immer
wieder, was macht diese Themen für Dich so interessant?
Die meisten Songs sind aus einem starken Aggressionspotential
heraus entstanden, aus Wut über die Ignoranz, die mir
lange Zeit von allen Seiten entgegenschlug, einschließlich
von meiner Ex-Freundin und Teilen meiner Familie, besonders
aber durch die Haltung der Leute, die den Großteil der
Bevölkerung repräsentieren und mit denen ich wohl
oder übel zu tun hatte. Die durch letztere Gruppe diktierte
öffenliche Meinung und der daraus eruptierende Schleim
mit dem man eingesifft wird, sobald man den Fehler macht,
sich z. B. der etablierten Unterhaltungsmedien zu bedienen,
erzeugt bei einem gesunden Menschen irgendwann einen solchen
Haß auf diejenigen, die bei dieser Kacke mitmachen und
sie vergrößern wollen, daß man irgendwo ein
Vertil haben mußt, das man im Notfall öffnen kann,
da sonst ein Unglück passieren würde. Dises Ventil
ist bei mir der Sequenzer. Ein typischer Song für eine
solche Gefühlslage ist z.B. THE BITE, der den Entwicklungsprozeß
vom gesunden Menschen zum lebenden Toten beschreibt, wie ich
ihn an ehemaligen Freunden und Bekannten erleben mußte.
Diese Individuen, die nur noch vor daheim der Glotze hängen,
für die Kreativität ein Fremdwort ist, die sich
jedes Wochenende auf irgendwelchen Dorfdiscos die Hucke vollsaufen
und dann noch mit ihrer Scheißmeinung Standards setzen
haben das Leben eigentlich schon beendet.Das sind menschliche
Abnormitäten, und auseinandersetzen muß ich mich
mit ihnen deshalb, weil sie mir tagtäglich begegnen.
Mehr zu diesem Thema gibts aber auch in Romeros "Zombie".Natürlich
gab es beim Arrangement der Songs auch rein klangliche Aspekte.
Das schwere Atmen einer Frau beim Sex hat für mich etwas
fremdartig fragiles. Außerdem ist das klangliche Zur-Schau-Stellen
hemmungsloser Gier in seiner rohesten Form eine weitere Art
der musikalischen Verwandlung extremer, exzessiver Gefühlszustände,
so daß man es fast schon als exhibitionistisch bezeichnen
könnte.
7) Welche Vorstellung hast du vom Tod?
Ich habe während meines Studiums, das bisher größtenteils
naturwissenschaftlicher Art war, es mehr und mehr abgelegt,
mich an Glaubensweisheiten zu klammern. Für mich bedeutet
deshalb der klinische Tod das Absterben des Körpers und
das Ende der Geschichte des betreffenden Individuums.
8) Welche Story erzählt "!Splat!"?
!SPLAT! ist die Vertonung eines x-beliebigen Ego-Shooter-Computerspiels
und der beim Spielen entstehenden Gier nach dem virtuellen
Massaker. Diese Art extremer Unterhaltung ist in den letzten
Jahren mehr und mehr zur Gratwanderung zwischen Perversion
und Spaß geworden, in diesem Spannungsfeld bewegt sich
auch der Song. Er beleuchtet aber auch jene Idioten und Kinder,
die mit dieser Unterhaltungsform nicht umgehen können
und die deshalb nach deren Konsum Scheiße bauen.
9) Für welche Werte steht Plastic Assault?
PLASTIC ASSAULT steht für Widerstand gegen Dummheit
und Ignoranz.
10) Über welche gesellschaftlichen Mißstände
ärgerst Du Dich, und wie könnte man sie Deiner Meinung
nach lösen?
Gesellschaftliche Mißstände gibts hier einige,
das hier zu diskutieren würde wohl den Rahmen dieses
Interviews sprengen. Am meisten kotzt mich jedoch unsere Justiz
an. Ich mußte am eigenen Leib spüren was es heißt,
bestraft zu werden dafür daß man einem Mann hilft,
der von 5 anderen Jugendlichen zusammengeschlagen wurde. Niemand
braucht sich mehr wundern, wenn auf Hilfeschreie keiner mehr
reagiert. Unsere Richter, die es wagen "Im Namen des
Volkes" zu urteilen, sollten das Volk mal fragen was
es von so manchen Urteilen hält. Fast alle politischen
Entscheidungsträger, die auf die Verfassung vereidigt
werden und schwören, nur im Interesse des Volkes zu handeln,
sollte man direkt danach wegen Meineid verknasten. Aber ich
brech das jetzt lieber ab, sonst wird das hier zu politisch.
11) Welche Eigenschaften schätzt Du an anderen Menschen?
Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, dreckiger Humor, Kreativität,
klarer Verstand
12) Wem ist der Song "Das Letzte Stück Dreck"
gewidmet? Wann hast Du dich das letzte mal wie das letzte
Stück Dreck gefühlt?
Der Song ist einem Mann gewidmet, der einmal meine weitere
Lebensplanung hätte kippen können und der mich auch
eiskalt abserviert hätte, hätte ich ihm Gelegenheit
dazu gegeben. Dieser Mann hat sich einen Spaß aus dem
psychischen Druck gemacht unter dem ein jeder Unglückselige
stand, der von ihm Informationen brauchte. Mittlerweile steht
er jedoch sinnbildlich für alle die überheblichen
Penner, mit denen ich klarkommen muß, um das zu erreichen
was ich will. Ich hasse ihre Sorte. Wenn man nicht aufpaßt,
wird man ruck-zuck zum Taxi Driver.
13) Welche privaten Ziele/Träume möchtest Du 2001
erreichen bzw. Dir erfüllen?
Mindestens 100 neue Songs schreiben, das "Studio"
ausbauen, die Kooperation mit Fasko möglich machen, eine
gute Live-Show aufziehen und natürlich CDs verkaufen.
Markus Fürgut
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